Ode an die alte Hilde

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Alte Hilde, so nennen wir unser Tanklöschfahrzeug liebevoll. Ihre besten Jahre sind längst vorbei. Doch sie hat in ihren bald 24 Jahren manch gute Tat vollbracht. Darum sei sie hier gewürdigt für ihre treuen Dienste. Mit einer Ode an ihre Vorzüge, aber auch an ihre Ecken und Kanten.

Mit 24 Jahren ist manch anderes TLF bereits ausgestaubt und leistet seinen Dienst im besten Fall noch in einem fernen Land unter gleissender Sonne. Aber wir haben sie noch, unsere treue, heissgeliebte und doch so oft verunglimpfte alte Hilde. Seit bald einem Vierteljahrhundert sorgt sie dafür, dass wir Brände schnell löschen, Personen retten oder Öl-, Wasser- und andere Schäden bewältigen können.

Doch sie hat auch ihre Ecken und Kanten. Und ihre besten Jahre sind längst vorbei. Die Reparaturen fallen immer fleissiger an. Und sie werden ständig teurer.
Trotzdem, ihr Charme ist unbestritten. Wenn sie in ihrem schnittigen Rot mit Blaulicht auf dem Schadenplatz vorfährt und ihre Rollläden öffnet, um den Dorfbewohnern in schweren Stunden beizustehen, sind ihr alle Marotten verziehen. Das ist auch der Grund, warum sie den liebevollen Spitznamen “alte Hilde” innehat.

Alte Dame mit schrulligen Macken

Eine ihrer Macken führte sie letzten Frühling ausgerechnet dann vor, als uns der neue Gemeindepräsident an einer Übung besuchte. Was in diesem Moment eine echte Peinlichkeit war, führte im Herbst immerhin dazu, dass das Budget für ein neues TLF ohne Einwände genehmigt wurde. 🙂 Bis das neue Fahrzeug evaluiert, von der Bevölkerung genehmigt und tatsächlich geliefert ist, dauert es aber noch zwei Jahre – wir wissen selber nicht ob wir darüber froh sein sollen oder eher nicht. Denn trotz allem ist sie halt doch unsere alte Hilde, deren Marotten manchmal nervig, manchmal aber auch liebenswürdig und erheiternd sind.

Zicke mit gefedertem Sitz

Der Fahrersitz ist für grosse, stämmige Feuerwehrmänner ausgelegt. Kleingeratene Persönchen wie ich müssen den Sitz so weit nach vorne murksen, bis es wirklich nicht mehr weitergeht. Endlich eingerastet, reichts knapp zum Durchdrücken der Kupplung. Aber wehe, ich muss die Kupplung etwas länger tätigen. Dann fühl ich richtig, wie sich mein Bein sehnlichst zwei mickrige Zentimeter mehr herbeiwünscht 🙂

Und ja, sie ist eine Zicke! Trotz ihrem hohen Alter. Frisch aus dem Magazin losgefahren – noch völlig kalt – will sie einfach noch nicht schalten. Sie möchte zuerst ein bisschen wohlig warmgefahren werden, bevor sie Gänge und Tempo erhöhen will. Für solche Spielchen bleibt aber keine Zeit, und so muss der Schaltknüppel mit einer Härte getätigt werden, die sie eigentlich gar nicht verdient. Arme Hilde.
Aber kaum ist sie warmgelaufen, gleitet sie so geschmeidig von Gang zu Gang, wie die Walzer-Paare am Wiener Opernball über die Tanzfläche schweben. Ich sags ja, Zicke! 🙂

Und ihre Sitzfedern, die sind der Hit. Der Fahrer geniesst die Strecke auf seinem gefederten Sitz wie der Passagier einer venezianischen Gondel, die seidig über die Wellen in Venedig gleitet. Seine Beifahrer hingegen werden auf ihrem Bank bei jeder Delle frischfröhlich durchgeschüttelt, wie es sonst nur dem Martini von James Bond wiederfährt. Zur Vermeidung von “Dachschäden” macht es für die Beifahrer wahrlich Sinn, den Helm bereits während der Fahrt zu montieren. Es wäre auch jammerschade um die Dellen in der sonst noch so gut erhaltenen Kabinen-Decke. 😉

Sie ächzt und krächzt

Ja und dann, wenns hoch geht ins Nachbardorf, wirds richtig dramatisch. Kaum gehts den Hügel hoch, pfeift die gute Alte aus dem letzten Loch. Sie ächzt und krächzt. Ihr fehlt die Puste. Und so kriecht sie mit 20 Km/h den Hügel hoch. Fahrer und Beifahrer tauschen beschämte Blicke aus, wenn sie die eilig zur Seite gefahrenen Autos im Schneckentempo überholen. Nicht selten möchte man die Sirene ausschalten und so tun, als sei man auf einer entspannten Sonntags-Rundfahrt statt einer Einsatzfahrt.

Trotz allem, wir lieben sie

Solche Macken (und viele mehr) führen regelmässig zu epischen Schimpftiraden. Aber wenn wir ehrlich sind haben wir sie trotzdem lieb, unsere gute alte Hilde. Einige der Marotten können mittlerweile dank tiefgehenden psychologischen Kenntnissen vermieden werden, alle anderen werden halt mit stoischer Gelassenheit ertragen. Seit nunmehr 24 Jahren und für mindestens zwei weitere Jahre.

Eines ist schon jetzt garantiert: Wenn die alte Hilde ersetzt wird, werden wir ihre Geschichten noch lange weiterleben lassen, während sie in einem fernen Land unter gleissender Sonne treuherzig ihre Dienste leistet und kichernd ihre Marotten zelebriert.

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