Vorbild Feuerwehrfrau

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Feuerwehrfrau ist noch immer die Ausnahme.

Mit dem Ziel, etwas aus meinem Leben als Miliz-Feuerwehrfrau zu erzählen und wenn möglich gar andere Frauen für die Feuerwehr zu motivieren, habe ich meinen Feuerwehrfrau-Blog vor über einem Jahr gestartet. Dass die Beiträge von Interessierten gelesen werden, durfte ich in der Zwischenzeit bereits mehrmals erfreut erfahren. Aber als ich vor Kurzem eine Mail erhielt, die mein Ziel urplötzlich in Erfüllung gehen liess, war ich ziemlich aus dem Häuschen.

Vor Kurzem schrieb mir eine junge Frau, die sich wortwörtlich brennend für die Feuerwehr interessiert und selbst gerne bei der Feuerwehr anpacken möchte. Sie erzählte mir von ihrer Situation, und auch davon, dass sie in ihrem Umfeld keine grosse Begeisterung und Unterstützung für Ihr Vorhaben erfahre. Im Gegenteil, man gab ihr zu verstehen, dass sie wohl nicht alle Tassen im Schrank habe.

Feuerwehrfrau – noch immer die Ausnahme

Sie hatte sich bereits für den baldigen Informationsabend bei der Ortsfeuerwehr angemeldet und informierte sich im Vorfeld intensiv im Internet über alle Voraussetzungen. Dabei stiess sie auf meinen Blog. Sie schien so ziemlich alle Beiträge gelesen zu haben, die ich bis jetzt geschrieben habe. Jedenfalls nahm sie in ihrer E-Mail Bezug auf verschiedenste Situationen, die ich aus unserer Feuerwehr geschildert habe.
Und sie schrieb mir, dass sie sich herzlich bei mir für die Seite bedanken möchte. Sie habe hier den Mut und die Unterstützung gefunden, die ihr in ihrem privaten Umfeld fehle. Mit dem Satz „Dich nehme ich gerne als mein grosses Vorbild!“ beendete sie ihre Nachricht.

Ich musste mich hinsetzen. Ich hätte vor lauter Glück losjubeln können, gleichzeitig machten mich die Reaktionen in ihrem Umfeld traurig… ich muss gestehen, ihre E-Mail brachte mich gerade etwas aus der Fassung.

Ich meine: Es ist doch unglaublich, dass mein Blog und die Beiträge aus unserer liebenswert verrückten Wehr (‘tschuldigung Jungs, aber so ist’s nun mal 🙂 ) sowie ein paar mickrige Fotos dazu beigetragen haben, eine Frau für den Eintritt in die Feuerwehr zu ermutigen.

Natürlich, dass war eines der Ziele, warum ich den Blog begonnen hatte zu schreiben. Aber ob es wirklich jemals eintraf, wusste ich ja nicht. Als es dann so urplötzlich in Erfüllung ging, konnte ich es kaum glauben. Es fühlte sich irgendwie unbeschreiblich schön an, jemanden auf dem Weg zu einem grossen Ziel unterstützen zu dürfen. 🙂

Irgendwie verkaufen sich Frauen zu schlecht

Aber jetzt zurück zu der jungen Frau – ich nenne sie mal Larissa. Sie hatte ziemlich viele Bedenken, ob man sie denn überhaupt bei der Feuerwehr aufnehmen wolle. Frauen sind ja (leider) noch immer nicht überall gern gesehen. Und dazu fragte sie sich, ob sie nicht zu klein, zu schwer, zu wenig fit und überhaupt und sowieso sei.
Ich schrieb ihr natürlich sofort zurück und ermutigte sie, selbstbewusst an die Infoveranstaltung zu gehen und ihre Stärken aufzuzeigen. Immerhin arbeitet sie in einem technischen Beruf und hat ein tiefes Verständnis von elektrischen Steuerungen, hat einen Staplerausweis, arbeitet Schichtbetrieb und hat eine Motivation für zwei, um in der Feuerwehr ganz vorne mitanzupacken (hat sie mir schliesslich alles in ihrer E-Mail erzählt). Und auch für die Fitness tat sie mehrmals wöchentlich etwas. Ich meine «halllooooo?!», wenn das nicht perfekte Voraussetzungen sind! Solche Leute sind gefragt. Das hab ich ihr natürlich alles geschrieben 🙂

Ich hoffte, dass ihr mein Zuspruch Mut machte und ihre Ortsfeuerwehr Frauen gegenüber aufgeschlossen ist. Und natürlich bat sie, mich unbedingt über den Ausgang des Informationsabends zu informieren.

Die Bedenken lösten sich (fast) alle in Luft auf

Larissas Bedenken hatten sich zum Glück praktisch alle in Luft aufgelöst. Die Feuerwehr hat bereits mehrere Frauen und ist auch für weitere weibliche Mitglieder sehr offen. Dank ihrem beruflichen Background, der Schichtarbeit und dem Staplerausweis ist sie sogar sehr interessant für die Feuerwehr (wer sagt’s denn!).  Aus gesundheitlichen Gründen kommt ein sofortiger Eintritt zwar noch nicht in Frage, aber man versicherte ihr, dass man im nächsten Jahr durchaus noch sehr an ihr interessiert wäre.

Auch wenn’s noch nicht ganz geklappt hat, habe ich mich extrem gefreut zu hören, dass sie nicht gänzlich abgewiesen wurde. Bei ihrem eisernen Willen war ich mir sicher, dass es nächstes Jahr klappen wird.

Freudige Bescherung

Und dann, mitten in der Adventszeit, schrieb sie mir noch einmal: Dass sie ganz sicher nicht aufgeben werde und auch gesundheitlich auf dem besten Weg dazu sei, bald alle Voraussetzungen zu erfüllen. Und so ganz nebenbei erwähnte sie noch, dass sie soeben von der Betriebsfeuerwehr beim Arbeitgeber angefragt wurde, ob sie in der Betriebswehr mitmachen wolle.

Echt jetzt, ich habe gejuchzt vor lauter Freude. Wenn das keine Belohnung für all ihre Mühen ist! Und so wird’s sicher nächstes Jahr auch bei der Ortsfeuerwehr klappen.

Diese ganze Geschichte gibt mir mindestens für das ganze nächste Jahr genügend Motivation, regelmässig weiter aus meinem Feuerwehrleben zu bloggen 🙂 Und ich bin natürlich schon gespannt, wie es bei Larissa weitergeht.

Nächstes Jahr werden übrigens auch wir weiblichen Zuzug erhalten. Von 5 neuen Mitgliedern werden gleich 3 Frauen sein. Das und auch alles andere aus unserer liebenswert verrückten Wehr wird sicher wieder Stoff für einige tolle Geschichten im 2017 geben 😉

Bis dahin wünsche ich euch ruhige und schöne Festtage sowie einen guten Rutsch in ein gesundes, frohes neues Jahr! Kommt immer heil von euren Einsätzen zurück.

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One Comment on “Vorbild Feuerwehrfrau”

  1. Auf den Punkt, wie immer… und „liebenswert verrückt“?! Da hätte man ganz anderes sagen können . Ich sehe es als Kompliment

    Ich danken Dir für Deine heiteren und teilweise nachdenklichen Blogs, welche uns so wunderbar abbilden oder uns liebenswert den Spiegel vorhalten.

    Ich freue mich mit Dir, dass Du auch von ausserhalb so tolle Rückmeldungen bekommst. Enjoy!

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