Schwangere Feuerwehrfrau – Baby an Bord des TLF

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Geburtsschild Feuerwehr Baby

Stellt euch vor es brennt, und im Tanklöschfahrzeug rückt eine schwangere Feuerwehrfrau an den Brandherd aus. Unvorstellbar? Nun ja, kommt vielleicht auf die Bauchgrösse an… aber grundsätzlich durchaus möglich. Ein Erfahrungsbericht inklusive Checkliste für schwangere Feuerwehrfrauen ganz am Ende.

Eine schwangere Feuerwehrfrau? Da scheiden sich die Geister, wie ich mehrfach an Diskussionen im Internet mitlesen konnte. Und es ging durchaus sehr emotional zu und her. Während einige finden, man könne problemlos noch an Einsätze mitfahren bis kurz vor dem Geburtstermin, finden andere, man müsse ab Tag 1 der Schwangerschaft (oder zumindest deren Kenntnis) auf alles verzichten.

Ich wage mich in die Höhle des Löwen und meine: Wie so oft gilt auch für eine schwangere Feuerwehfrau, dass es kein schwarz oder weiss gibt, sondern jede Frau unter Berücksichtigung diverser Faktoren selbst entscheiden soll. Entscheidend sind viele Einflüsse, wie zum Beispiel das Stadium der Schwangerschaft, Gesundheitszustand, Fitness, Rücksprache mit dem Kommando, etc. Eventuell gibt es auch Vorschriften zu beachten.

Schwangere Feuerwehrfrau – was darf sie noch?

Was bedeutet eine Schwangerschaft für eine Feuerwehrfrau? Muss sie ab dem Tag des Bekanntwerdens gleich sofort alles pausieren? Oder kann sie noch bis kurz vor der Geburt mit ihren Kameraden ausrücken?

Wenn es Vorschriften gibt, ist der Fall ziemlich schnell klar. Sofern es aber keine Vorschriften gibt (was bei uns der Fall ist), muss jede Frau selbst entscheiden, wie lange sie wie viel mitmachen kann. Während aus meiner Sicht aufs Heben von mittelschweren und schweren Lasten und auf Ausdauer-Einsätze schnell verzichtet werden sollte, können andere Arbeiten problemlos noch eine Zeit lang erledigt werden, sofern frau sich fit fühlt.

Das Wichtigste ist sicherlich, dass die schwangere Feuerwehrfrau weder ihre noch die Gesundheit des ungeborenen Babys gefährdet. Sie wird allerdings selbst merken, wo ihre Grenzen sind. Da darf sie sich dann notfalls auch nicht schämen und eine angefangene Arbeit abbrechen oder Kameraden um Hilfe bitten.

Hier passen die Feuerwehrkleider noch. Zu Beginn kann die schwangere Feuerwehrfrau das Babybäuchlein noch gut verstecken. 😉

Vorsicht: weniger Ausdauer in der Schwangerschaft

Gerade auf die Fitness hat eine Schwangerschaft starke Auswirkungen, wie ich selber merken musste. Vor allem die Ausdauer wird umgehend beeinflusst, weil der Körper schon ab Tag 1 Energie für das heranwachsende Baby braucht.

Ich selbst merkte noch bevor ich wusste, dass ich schwanger war, dass meine Ausdauer massiv einbrach. Die Wanderferien im Schweizer Nationalpark auf über 2000 m. ü. M. waren unglaublich anstrengend für mich (ich pfiff wortwörtlich aus dem letzten Loch, während mein Freund mit seiner unsportlichen Raucherlunge locker flockig und Melodien pfeifend voraus den Berg hochwanderte). 😀 Ich war regelrecht verärgert und ratlos über meinen eigenen Zustand, weil ich doch eigentlich ziemlich fit gewesen war zu diesem Zeitpunkt.

Als ich kurz darauf merkte, dass ich schwanger war, schloss ich daraus im ersten Moment noch keinen Zusammenhang. Aber bei einer Atemschutz-Übung wenige Tage später, in der ich zu Fuss in Vollmontur in den 11. Stock hoch musste, brauchte ich oben fast ein Sauerstoff-Zelt, weil ich dermassen ausser Atem war.

Für mich war danach umgehend klar, dass ich ab sofort auf alle Atemschutz-Übungen und -Einsätze verzichten werde. Da war ich in der 5. oder 6. Woche schwanger und hatte noch nicht mal ansatzweise einen Bauch. Aber mein Körper brauchte die Energie anderweitig und ein Einsatz wäre sowohl für mich und das Baby wie auch für meine Kameraden gefährlich geworden.

Schwangerschaft ist keine Krankheit

Trotz der nötigen Rücksicht muss frau, sofern sie gesund ist und sich fit fühlt, nicht auf alles verzichten. Ich nahm – ausser an den Atemschutz-Übungen – bis ca. Mitte der Schwangerschaft noch an allen Übungen teil (wir haben keine Chemie-Wehr). Allerdings immer in einer Funktion, in der ich nicht viel mehr als ein Klemmbrett heben musste.

Hier war der Baby-Bauch schon grösser. Die Brandschutzausrüstung passt noch knapp… zum Posieren jedenfalls reicht es noch. 😉

Wer nun denkt, da bleibe nichts mehr übrig, täuscht sich gewaltig. In meiner Rolle konnte ich noch Neueingetretene betreuen, Fahrzeuge fahren oder TLF-Maschinistin sein (die Kameraden/innen mussten das Material einfach selbst aus dem TLF heben), an Fahrer- und Kaderübungen teilnehmen und auch noch alle Probefahrten erledigen. Dies sind nur einige möglichen Tätigkeiten. Als Nachwuchs-Verantwortliche leitete ich im 7. Monat zudem noch die Rekrutenübung – natürlich mit fleissigen Helfern. Zu diesem Zeitpunkt passte ich nur noch knapp in meine Brandschutzausrüstung 😊

Der Vorteil ist, dass frau mit der Teilnahme an Übungen ihr Wissen noch möglichst lange à jour hält bzw. weiter ausbaut und zumindest vor der Geburt nicht so viel verpasst. Nach der Geburt folgt nämlich dann noch ein längerer Unterbruch, in welchem frau (zu Nicht-Corona-Zeiten) einige Übungen verpasst.

Im Einsatz war ich während der Schwangerschaft nur noch ein einziges Mal als TLF-Fahrerin für eine Türöffnung. Aber das war eher Zufall als geplant und meine Schwangerschaft war damals noch nicht offiziell (ich stand beim Alarm direkt neben dem Feuerwehrmagazin).
Wir hatten in dieser Zeit nicht so viele Einsätze, oder wenn dann nur kleine Fälle für die Stabsgruppe. Bei solch kleinen Einsätzen rückte ich fortan nicht mehr aus, denn wenn es nur 3-4 Personen braucht, müssen alle mitanpacken können.

Bei grösseren Einsätzen wäre ich aber – sofern ich mich fit genug gefühlt hätte – sicher noch eine Zeit lang mitgefahren. Denn sowohl als Fahrerin, im Verkehrsdienst, als Protokoll-Schreiberin, Truppüberwacherin oder Einsatzleiterin hätte ich in den ersten Monaten gut noch etwas zum Einsatz beitragen können. Ebenso wie ich meine Kameraden/innen bei längeren Einsätzen mit Heissgetränken und Sandwiches hätte versorgen können. Ihr seht, man kann oft noch etwas «Ungefährliches» helfen. Dass man sich dabei natürlich abseits von Rauch, Gasen, Dämpfen, Staub oder anderen gesundheitsgefährdenden Stoffen / Strahlen aufhalten soll, ist natürlich Voraussetzung.

Mitfiebern statt Mitfahren

Irgendwann im letzten Drittel der Schwangerschaft passte ich dann nicht mehr in die Brandschutzausrüstung. Also dachte ich, ich nehme noch an den Kaderübungen teil (z.B. bei Theorie-Blöcken oder Gebäude-Besichtigungen), erledige meine Probefahrten und gehe daneben nur noch an den gemütlichen Teil nach der Übung. Das hätte sicherlich auch super funktioniert, aber dann kam Corona und alles war anders. Übungen fanden keine mehr statt und der gemütliche Teil war sowieso gestrichen. So kam es, dass ich ca. einen Monat vor dem Geburtstermin meine letzte Probefahrt erledigte und danach meine Feuerwehr inklusive meiner Kameraden/innen praktisch das restliche Jahr 2020 nicht mehr sah.

Die schwangere Feuerwehrfrau auf der letzten Probefahrt: Mangels passender Feuerwehrkleider halt in noch passenden Umstandskleidern

Fortan hiess es Mitfiebern statt Mitfahren. Und das kann ich mindestens genauso gut 😊 Zumindest bevor das Kind da war und ich noch Zeit hatte, stand ich bei jedem reinkommenden Alarm auf die Terrasse und horchte nach der Sirene oder hielt Ausschau nach den Fahrzeugen und meinen Kameraden. Natürlich immer mit kritischem Blick auf die Uhr 😉 Glaubt mir, es dauert uuunendlich viel länger wenn man nicht selber mitfahren kann 😉

Ich freute mich tierisch, als unser «neues» Tanklöschfahrzeug in flottem Tempo mit Blaulicht den Hügel hoch brauste (unser altes TLF – die alte Hilde – war jeweils so lahm, dass man aus Scham lieber das Blaulicht ausgeschaltet hatte). Von meiner Terrasse aus hatte ich alles im Blick 😀

Zum Schluss noch ein kleines Hoch auf meine Kameraden/innen: Sie wären nicht meine Kameraden/innen, hätten sie sich nicht etwas einfallen lassen. So begrüsste uns nach der Heimkehr aus dem Spital ein wunderschönes Tanndli mit einem hübschen Namens-Schild mit Feuerwehr-Baby. Natürlich mit pinkigen Feuerwehrstiefeln, was sonst. 😀 Alles corona-konform organisiert und aufgestellt.

In diesem Sinne: Das Feuerwehr-Fieber hat mich nicht verlassen. Ich komme bald zurück! 😉

Ein schöner Brauch: Das Geburts-Tanndli für das neugeborene Feuerwehr Baby

Hat jemand von euch Erfahrung als schwangere Feuerwehrfrau? Wie habt ihr es gehandhabt? Gibt es Vorschriften bei euch? Teilt euer Erfahrungen gerne im Kommentar.

Checkliste für die schwangere Feuerwehrfrau (bzw. fürs Kommando):

  • Auf das Heben von mittelschweren oder schweren Lasten verzichten (bereits ab Beginn der Schwangerschaft)
  • Die eigene Fitness kritisch hinterfragen bzw. bereits am Anfang der Schwangerschaft testen (z.B. ohne Ausrüstung 3 Stockwerke die Treppe hochsteigen)
  • Auf Atemschutz-Übungen und -Einsätze verzichten
  • Auf Hüpfen und Rennen verzichten. Kälte und Nässe sind zu vermeiden.
  • Ebenso auf ABC-Ereignisse, Staub, Rauch, Gase, Dämpfe, Strahlen etc. verzichten
  • Beachten von allfälligen Vorschriften für schwangere Feuerwehrfrauen bzw. schwangere Frauen allgemein
  • Gespräch mit Kommando suchen um weiteres Vorgehen zu diskutieren
  • Überlegen, was frau je nach Stadium der Schwangerschaft, Gesundheitszustand sowie Rücksprache mit dem Arzt und dem Kommando noch machen will.
    • Die Teilnahme an Theorie-Blöcken, Gebäude-Besichtigungen, Sitzungen etc. sind unter Umständen noch realtiv lange möglich.
    • Ebenso die Teilnahme an Übungen, sofern das Aufgabengebiet für die schwangere Feuerwehrfrau entsprechend angepasst wird (z.B. Fahrerin, Verkehrsdienst, Truppüberwacherin, Einsatzleiterin, etc.).
  • Überlegen, ob frau nach der Babypause in die Feuerwehr zurückkehren will bzw. wie lange die Babypause dauern soll. Danach das Gespräch mit dem Kommando suchen.

Weiterführende Links:

  • Einen guten Anhaltspunkt bietet diese Checkliste der Feuerwehr Unfallkasse HFUK Nord. Ist zwar aus Deutschland und nach deutscher Gesetzeslage, aber die Infos können trotzdem als Anhaltspunkt genommen werden.
  • Für die Schweiz habe ich im Internet nichts gefunden, habe nun aber bei Swissfire noch nachgefragt und ergänze allfällige Infos noch.
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2 Comments on “Schwangere Feuerwehrfrau – Baby an Bord des TLF”

  1. Hey
    Ich bin eine (nicht mehr schwangere) Feuerwehrfrau.
    Da meine Schwangerschaft erst in der 17 Woche bekannt wurde, habe ich mit dem Berufsverbot gemeinsam gesagt das ich nicht mehr zum Einsatz fahre. Was für mich schon ne mörderische Überwindung war, aber die Gesundheit vom zwerg war mir wichtiger. Wir haben viele starke Männer in der wehr
    Nun bin ich seit 7 Monaten mama einer kleinen Tochter die auch schon herzlich bei den Jungs als zukünftiges Mitglied begrüßt wurde.
    Und wegen corona ist bei uns seit März letzten Jahres kompletter Dienststopp.
    Liebe Grüße Sandra

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