Mein erster Atemschutz Leistungstest

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Feuerwehrfrau im Atemschutzgerät

Nachdem ich letzten September den Atemschutzkurs absolviert hatte, stand nun der erste alljährliche Atemschutz Leistungstest an. Unsere Feuerwehr hat den 12 Minuten-Lauf vor paar Jahren durch einen Fit Check mit 8 Posten ersetzt.

Das Ziel des alljährlichen Leistungstests ist, die Fitness der Atemschutzgeräteträger zu testen. Daneben müssen Atemschutzgeräteträger alle 3 Jahre in eine ärztliche Untersuchung. Der Atemschutz Leistungstest wurde in unserer Feuerwehr vor ein paar Jahren angepasst: Statt einem 12 Minuten Lauf wurde er mit einem Fit Check mit 8 Posten ersetzt. Diese sollen etwas realitätsnaher sein als ein 12 Minuten-Lauf.

Atemschutz Leistungstest mit 8 Posten

Vor dem Start mussten alle bei der Ärztin vorbei um Puls, Blutdruck und Lungenvolumen zu messen. Danach standen wir in zweier Teams zusammen und eine Person rüstete sich mit Atemschutz aus. Dann ging es los: 8 Posten à je 2 Minuten, dazwischen jeweils 2 Minuten Pause. Eine Person in Atemschutzmontur absolvierte den Postenlauf am Stück, die andere Person notierte die Punkte. Alles geschah unter Aufsicht der Ärztin.

Nachdem die erste Person die 8 Posten absolviert hatte, musste sie nochmal bei der Ärztin vorbei und Puls, Blutdruck und Lungenvolumen zu messen. Die andere Person rüstete sich in dieser Zeit mit den Atemschutzgeräten aus.

Die 8 Posten setzten sich zusammen aus:

  • 1. Posten: Medizinball an die Wand (pro 10 gefangene Bälle 1 Punkt)
  • 2. Posten: Banklauf mit 2 x 10kg Hanteln (für Hin gibt’s 1 Punkt, für Zurück gibt’s 1 Punkt)
  • 3. Posten: Tennisbälle von Kiste in Ring transportieren; 5m Distanz (pro Tennisball 1 Punkt)
  • 4. Posten: Grosse Matten durchqueren (Hin 1 Punkt, Zurück 1 Punkt)
  • 5. Posten: Treppensteigen (bis oben 1 Punkt, bis unten 1 Punkt)
  • 6. Posten: Up and Down mit kleinem und grossem Pferd (Hin 1 Punkt, Zurück 1 Punkt)
  • 7. Posten: Denkaufgabe (3 Aufgaben lösen, ohne Bewegung, pro richtig gelöste Aufgabe 1 Punkt)
  • 8. Posten: Seilspringen (pro 10 Seilsprüngen 1 Punkt)

Im Atemschutz muss man die Energie gut einteilen

Was so easy klingt, ist definitiv kein Spaziergang. Allein in der Atemschutz Ausrüstung hat man paar zusätzliche Kilo mit dabei. Damit dann noch 2 x 10 kg Hanteln rumzutragen oder seilzuspringen ist doch ziemlich anstrengend. Ich hatte jedenfalls etwas Bammel vor diesem Leistungstest.

Und dies obwohl ich 2-3 mal pro Woche Sport mache und mich nicht als unsportlich bezeichnen würde. Aber: Yoga und Jogging ist definitiv weniger (oder anders) intensiv. Ausser natürlich man würde Intervall-Jogging machen, was ich aber hasse. Jedenfalls kamen mir zwei Minuten in diesem Postenlauf viel länger vor als sonst (ausser vielleicht in einer Yoga Krieger-Position). 😀

Ball Transport (immer nur 1 Ball) aus der Kiste in den Ring

Jedenfalls ist es ratsam, wenn man beim Atemschutz Postenlauf seine Energie gut einteilt. Man sollte keinesfalls zu schnell in einen Posten starten, denn unter Atemschutz sind 2 Minuten einiges anstrengender als normal. Und ausserdem erwarten einen nach dem ersten Posten noch sieben weitere. 😀

Ich war zuerst als Begleitung unterwegs und notierte die Punktzahl meines Kameraden. Das erlaubte mir die Posten genauer anzuschauen und zu sehen, wie mein Kamerad sich damit abquälte. Der Zufall wollte es, dass ich mit unserem ältesten Atemschutzgeräteträger im Team war. Dieser ist natürlich nicht mehr ganz so fit wie die jungen Wilden. Das ermutigte mich dann auch, dass ich es auch schaffen werde. 😉

Mein Begleiter beim Seilspringen in Atemschutz-Montur

Mein Postenlauf unter Atemschutz

Unser Team startete den Postenlauf bei Posten 7, also mit der Denkaufgabe. Da hatte man zwar noch einen klaren Kopf zum Denken, aber dafür hatte man danach die anstrengenden sieben Posten am Stück.

Meine Mühe hatte ich einerseits mit dem Medizinball, weil man hinter einem Bank stehen und von dort aus werfen musste und ich es am Anfang kaum schaffte, dass der Ball überhaupt bis zu mir zurück kam. Andererseits waren mir die 2 x 10 kg Hanteln zu viel. Ich musste nach 1min 30 und 6 absolvierten Punkten aufgeben, weil mir fast die Arme abfielen. Mit der ganzen Ausrüstung und den Hanteln zusammen hatte ich mehr als die Hälfte von meinem eigenen Körpergewicht zu schleppen… was an sich noch ginge, wenn sie etwas besser tragbar gewesen wären und nicht 20kg davon an meinen Armen gehangen hätten. 😊

Banklauf mit 2 x 10 kg Hanteln in Atemschutz-Montur

Jedenfalls setzten sich paar Kameraden dann mit mir zusammen dafür ein, dass man bei einem nächsten Leistungstest für die Frauen ein bisschen weniger Gewicht nehmen möge. Für Männer, die an sich schon 80kg wiegen, sind 20kg weniger ein Problem als für Frauen mit 55kg Körpergewicht. Und bei unseren Einsätzen werden wir die Frauen bei schweren Angelegenheiten nicht voraus schicken, sondern die Arbeit aufteilen oder den starken Männer zu überlassen.

Matten überqueren

Nebst dem Ball an die Wand und dem Banklauf liefen mir die anderen Posten dann nicht schlecht. Beim Seilspringen musste ich ab und zu eine Pause einlegen, damit mir die Lunge nicht gleich aus der Brust sprang. Daneben konnte ich aber alles ohne Pause durchziehen. Einfach in einem angemessenen Tempo.

Up and Down über zwei Pferde im Atemschutzgerät

Auch der anschliessende Check bei der Ärztin war gut.

Leistungstest erfolgreich absolviert

So hatte ich dann meinen ersten Atemschutz Leistungstest erfolgreich absolviert. Ob man den Atemschutz Leistungstest bestanden hat wird übrigens nicht durch eine minimale Punktzahl definiert. Denn die Atemschutz Tauglichkeit an sich wird regelmässig durch unsere Ärztin überprüft. Beim Leistungstest werden die Resultate pro Atemschutzgeräteträger über die Jahre gesammelt und verglichen. So kann festgestellt werden, wie sich die Leistung über die Jahre entwickelt bzw. verändert.

Falls man mal ein schlechtes Jahr hat, sucht das Kommando das Gespräch mit einem und man bespricht die Situation gemeinsam. Je nach Ausgangslage wird danach ein ärztlicher Check vereinbart. Vielleicht war man vorher aber auch nur krank, hatte vor paar Monaten einen Unfall oder eine Operation, oder es gibt sonst einen vorübergehenden Grund. Grundsätzlich merkt jeder Atemschutzgeräteträger ja selber, ob er im Stande ist bei einem Alarm im Atemschutzgerät zu arbeiten. Bei einer starken Erkältung macht man vielleicht besser einen anderen Job. Zu tun gibts allemal genug.

Aufbau des Leistungstests

Weil mich mehrere Personen angefragt hatten, wer den Leistungstest zusammengestellt hat und aufgrund von welchen Kriterien, habe ich mich darüber noch erkundigt. Im Reglement ist ein jährlicher Leistungstest vorgeschrieben. Wie der aussieht, ist aber nicht definiert. Die Idee zum Postenlauf wurde von einer anderen Feuerwehr übernommen und mit unserem damals zuständigen Feuerwehr-Arzt besprochen. Ziel war es, einen Postenlauf mit verschiedenen Aufgaben zu gestalten, die möglichst realitätsnah sind. Dabei ging es vor allem darum, die Posten im Atemschutzgerät zu absolvieren und dadurch Übung im Gerät unter körperlicher Belastung zu erhalten. Nach rund 5 Jahren Erfahrung ist man sich bei uns in der Wehr einig, dass sich der Postenlauf bewährt.

Habt ihr auch einen jährlichen Leistungstest? Wenn ja wie sieht der aus?

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4 Comments on “Mein erster Atemschutz Leistungstest”

  1. Wir erproben dieses Jahr als Ersatz für den bislang bewährten 12Minüteler den „Finnentest“, bzw. „ÖFAST“ (Österreichischer Atemschutz Test) mit 5 Posten und einem Zeitlimit eigentl pro Posten und gesamt. Regeln für Frauen/Männer gleich und bei einem Posten sind 2x20kg-Kanister 100m zu tragen! Das wären in Deinem Fall mehr als 100% Körpergewicht inkl. der Ausrüstung (und für einige Frauen bei uns auch). Finde die Funktionalität gegenüber Runden drehen in Sportkleidung sehr sinnvoll, finde aber, dass der kameradschaftliche Gedanke fehlt, weil 40kg würde im Einsatz eine (kleine, leichte) Frau niemals 100m alleine tragen müssen (und vermutlich auch kein grosser, kräftiger Mann ;-).
    Ich teste mich in einer Woche, ob ich seit einem Probelauf im November meine Schwachstellen (eben: 40kg tragen und ein „drunter-/drüber“) verbessern konnte…

    1. Oha, das klingt ja ziemlich heftig. Denke auch, dass das im Einsatz kaum jemand alleine bewältigen würde bzw. könnte. Ich drücke dir jedenfalls die Daumen!!

      1. Danke fürs Daumen drücken, die Verbesserung war da, aber ein bisschen „Augen zu“ musste dann doch sein…die 2x20kg sind dank Training (und anderer Handschuhe) recht gut gegangen, das „drunte/drüber“ war ein ziemlicher Killer, zumal meine Maske leider zu gross war und ich sehr viel Luft verloren hab. Den 20m Gummischlauch doppelt im Stehen aufrollen hat mir dann den Rest gegeben, die letzten 2-3m hab ich da etwas „geschummelt“, aber es wären noch anderthalb Minuten Zeitreserve gewesen, insofern tolerierbar 😉

        1. Super, gratuliere! Die 2x20kg sind echt hart! Respekt, dass du danach überhaupt noch weitermachen konntest 🙂 Jetzt heisst es erstmal gut erholen! 🙂

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