Neue Brandschutzausrüstung für die Feuerwehrfrau

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Neue Brandschutzausrüstung für die Feuerwehrfrau

Nachdem mich meine (massgekürzte) Brandschutzausrüstung nun 10 Jahre treu begleitet hat, durfte ich Mitte Juli eine neue Brandschutzausrüstung in Empfang nehmen. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren, an dem ich teilnehmen konnte, haben wir vorher verschiedenste Ausrüstungen auf Herz und Nieren getestet.  Und dabei von Lust bis Frust und emotionsgeladenen Diskussionen alles durchlebt.

Sie hat kein leichtes Leben, die Brandschutzausrüstung von Feuerwehrleuten. Nebst Hitze, Feuer, Rauch und Wasser setzen ihr auch die Träger der Atemschutzgeräte, grösser werdende Bäuche, oder – wenn die Hosen nicht gekürzt wurden – auch watschelnde Kameraden, arg zu. 😉

So kam es, dass einige meiner Kameraden teilweise schon ihre zweite Garnitur der alten Brandschutzausrüstung hatten, während meine erste Garnitur (als Nicht-Atemschützerin, dafür gekürzt) noch relativ schön aussah.

Wir brauchen eine neue Brandschutzausrüstung

So war es absehbar, dass unsere Feuerwehr nach über 10 Jahren eine neue Brandschutzausrüstung brauchen wird. Nachdem die Feuerwehrkommission und der Gemeinderat das Budget für eine neue Ausrüstung grundsätzlich genehmigt hatten, stellten wir eine Projektgruppe zusammen. Sie setzte sich aus dem Kommando, grossen und kleinen Personen, Männern und Frauen, sowie Atemschutzgeräteträger (ASGT) und Nicht-ASGT zusammen. So sollte ein möglichst guter Mix an Personen mit verschiedensten Bedürfnissen entstehen. Ich war in der Gruppe mit dabei und vertrat dabei die Frauen sowie die Nicht-Atemschützer in der Gruppe (damals war ich noch nicht im Atemschutzkurs). Ah und natürlich auch die Kleingewachsenen (dafür sehr flinken) unter uns. 😉

Vier Brandschutzausrüstungen und zwei Helme im Test

Als erstes wurden diverse Anbieter angeschrieben und für ein Auswahlverfahren angefragt. Danach wurden wir ausgemessen und bei jedem Anbieter wurde eine entsprechende Test-Ausrüstung in unserer Grösse (oder zumindest annähernd) bestellt. In einem nächsten Schritt luden wir alle Anbieter einzeln für eine Präsentation ein, wo sie ihre Modelle vorstellen und wir ihnen Fragen stellen konnten. An der Präsentation zeigten uns die Anbieter ihre verschiedenen Brandschutzkleider, erklärten die Vorteile und gaben (etwas weniger auskunftsfreudig) über allfällige Nachteile Auskunft, sofern wir sie hartnäckig und gezielt danach fragten (wir hatten ein besonders hartnäckiges Nachteil-Ausfrage-Talent bei uns in der Gruppe). 😉

Im Parcours werden Brandschutzausrüstungen und Helme auf Herz und Nieren getestet

Im Verlauf der folgenden Wochen trafen dann die Test-Ausrüstungen und -Helme bei uns ein. Als alle da waren, absolvierten wir einerseits einen internen Parcours, wo die Projektgruppe alle Ausrüstungen an mehreren Posten ausführlich testen konnte. Ausserdem nutzten wir die Test-Ausrüstungen danach teilweise auch gleich zu Übungszwecken (nicht im Feuer).
Einer der Anbieter führte ein paar Wochen später sogar noch einen Testtag im Ausbildungszentrum für Sicherheit durch, wo wir seine Ausrüstungen auch gleich unter Realbrandbedingungen testen konnten. Dazu später noch mehr.

Auch beim Helm wurden im internen Parcours mehrere Modelle getestet, wobei dort nicht zuletzt das Zusammenpassen mit der Maske des Atemschutzgeräts ein wichtiges Kriterium war.

Die Brandschutzausrüstungen der einzelnen Anbieter unterschieden sich zwar teils mehr, teils weniger. Aber es sei gesagt, dass alles sehr gute und sicherlich zuverlässige Ausrüstungen waren. Und alle waren sowieso schon mal gefühlt nur noch halb so schwer wie die bisherigen Branschutzkleider. 😀

Der Frust mit den Test-Ausrüstungen

Wie so oft machen dann aber Details den Unterschied. Für mich als Frau mit einer Körpergrösse von 1m60 war es ein riesiger Frust, dass zwei der Anbieter keine Test-Ausrüstungen für Frauen im Angebot hatten. Und auch nicht gewillt waren, welche zu organisieren. Als wäre ich die einzige Frau, die jemals Ausrüstungen testen würde. Ich habe nicht erwartet, dass man mir eine perfekt passende Ausrüstung liefert. Aber ich hätte doch eine Ausrüstung unter 1m75 und kleiner als Männer-Grösse M oder L erwartet. Es gab nämlich auch Anbieter, die Frauengrössen zur Verfügung stellen. Einer kürzte sogar extra eine Ausrüstung, damit ich sie testen konnte, weil gerade alle kurzen Ausrüstungen ausgeliehen waren. Das nenne ich Service.

Der Test-Tag fand für mich daher dann nur mit 2 Ausrüstungen statt, weil ich mit den anderen beiden schlicht gar nicht kriechen oder auf eine Leiter steigen konnte, ohne über meine eigenen Füsse zu stolpern. Der Test-Tag mit diversen Posten war trotzdem äusserst wertvoll. Auch für die Helm-Tests. Dort zeigte sich schnell, welcher Helm mit unseren Atemschutz-Masken zusammenpasst und bei welchem es gefährlich wird (bei einem Helm war die Einrasterung für die Maske nah bei der Visierbedienung, was in der Eile beim Anziehen unserer Atemschutzmasken zu gefährlichen Fehlgriffen sorgen könnte).

So hatten wir an diesem Abend bereits alle einen klaren Helm- und einen doch schon recht deutlichen Kleider-Favoriten (glücklicherweise war es eine dieser Ausrüstungen, die ich auch testen konnte).

Eine Ausrüstung können wir im Brand-Container testen

An einem weiteren Tag fuhren dann einige von uns noch ins Ausbildungszentrum für Sicherheit und testeten die Ausrüstungen eines Anbieters im Brand-Container. Eine der dort getesteten Ausrüstungen war unser Favorit nach dem internen Test-Tag. Obwohl ich damals selber noch nicht im Atemschutz-Team war, war ich am Tag mit dabei. Einerseits hatte es auch andere Posten (z.B. gewaltsame Türöffnung), andererseits konnte ich meine Kollegen bis vor den Eingang begleiten und erlebte die Vor- und Nachteile der Ausrüstungen dann auch gleich hautnah, wenn ich in den Container reinsah oder wenn meine Kollegen wieder raus kamen.

Must-have oder Nice-to-have?

Nebst einer Liste an absoluten Must-Kriterien gab es auch viele Nice-to-haves. Die meisten fielen dann aus Budgetründen wieder weg. 😉 Die Erfahrungen mit der alten Ausrüstung halfen uns ausserdem beim Fokussieren auf praktische und stabile Ausrüstungen. Unsere alten Brandschutzausrüstungen – vor allem diejenigen der Atemschutzgeräteträger – waren teilweise an den Schultern so abgewetzt und bei den Hosen auch zerrissen, dass sie schon frühzeitig ausgetauscht werden mussten. Ein Learning waren daher dann auch Ort und Art von Nähten und Leuchtstreifen, stabile und polsternde Schulterteile (wegen der Träger des Atemschutzgeräts) sowie Hosen mit einer Wassersperre an den Hosenbeinen, damit die Hosen nicht gleich Wasser bis zu den Knien hoch aufsaugen wenn man paar Zentimeter im Wasser steht. Und die Ausrüstung sollte nach dem Gebrauch schnell wieder trocknen.

Das Resultat war eindeutig – aber reicht das Geld?

Nach jeder Stufe im Auswahlverfahren konnten alle Mitglieder der Projektgruppe einen Bewertungsbogen pro Brandschutzausrüstung ausfüllen. Am Ende wurden diese alle zusammengetragen und ausgewertet. In einer Sitzung diskutierten wir dann über das – nicht überraschend – deutliche Resultat. Der Favorit stand fest. Leider war es die teuerste Ausrüstung. Wie könnte es auch anders sein 😉 So mussten wir dann mal noch in Ruhe rechnen, was die nötigen Anpassungen kosten und was für die Helme (wo der Entscheid auch eindeutig fiel) reserviert werden musste. Die ganze Rechnerei hatte sich dann zum Glück gelohnt. Wir fanden eine Lösung, wo alle Must-Kriterien gedeckt und einige wenige Nice-to-haves dabei waren.

Und jetzt: Welche Farbe darf es denn sein?

Und dann folgte die vielleicht emotionalste Diskussion überhaupt in der Projektgruppe: Welche Farbe soll die neue Brandschutzausrüstung haben? Wahnsinn was da für Gefühle zum Vorschein kamen. Ich nehme mich davon nicht aus. 😉 Unsere alte Uniform war rot. Und die Herzen der Truppe schlugen alle für rot. Mit Ausnahme unseres pragmatisch denkenden Vize-Kommandanten, der mit so vielen guten Argumenten für eine helle (in diesem Fall sandfarbene) Uniform um sich warf, dass wir uns am Ende alle knurrend geschlagen gaben. Unser Verstand gab ihm ja Recht, aber unser Herz wird noch Monate bluten. 😉

Konkret: Wir liessen uns für die sandfarbene Ausrüstung überzeugen wegen der besseren Sichtbarkeit (sowohl auf der Strasse wie auch im Rauch) und der Tatsache, dass Schmutz und vor allem Russ auf den Kleidern viel schneller sichtbar ist (schwarz-weiss Trennung) und man die Kleider daher auch eher waschen lässt. Beides erhöht die eigene Sicherheit. Und beim Test-Tag im Brandschutzcontainer konnte ich beim Blick von aussen in den Container selber feststellen, dass 2 Meter im Container drin von aussen nur noch die helle Ausrüstung sichtbar war. Die Rote verschwand im Rauch. Das war der Moment, der mich samt all meiner Gegenargumente in die Knie zwang. 😉

Ausmessen und dann laaaaange Warten

Egal, wir sind ja noch gar nicht fertig. Die Kleider-Wahl musste danach nochmal vor ein politisches Gremium. Da es (noch knapp) innerhalb des vorgegebenen Budgets lag, war es eigentlich nur eine Formsache. Doch erst als diese Zusage kam, konnten wir die Bestellung aufgeben. Danach wurden alle Angehörigen unserer Feuerwehr ausgemessen und die Ausrüstungen wurden in Auftrag gegeben.

Nach einem langen und äusserst gründlichen Auswahlverfahren und einer noch viel längeren Wartezeit (zumindest kam uns das so vor) durften wir die neue Brandschutzausrüstung und den neuen Helm nun Mitte Juli endlich in Empfang nehmen! Natürlich war die Ausrüstung perfekt auf meine Grösse gekürzt, so dass es nicht wieder zu tollpatschigen Vorfällen kommen kann wie zu Beginn meiner Feuerwehr-Zeit (ich verweise da nur auf den Pinguin auf dem Schadenplatz). 😉

Und so Sichern, Retten, Halten, Schützen und Bewältigen wir jetzt glücklich und zufrieden bis an unser Lebensende (oder zumindest für die nächsten 10 Jahre) in sandfarbenen Brandschutzausrüstungen.

Happy End! 😉


Unser Auswahlverfahren im Grob-Überblick:

  1. Sitzung zum Projektstart: Budget, Vorgehen, mögliche Anbieter, Definition von Must-have und Nice-to-have Kriterien
  2. Anschreiben diverser Anbieter – Einladung zum Auswahlverfahren
  3. Ausmessen der Projektteilnehmer/innen und Bestellen von Test-Ausrüstungen
  4. Einladung der Anbieter zur Präsentation vor der Projektgruppe
  5. Interner Test-Tag mit Parcours: Alle eingetroffenen Test-Ausrüstungen und Test-Helme werden von der Projektgruppe auf Herz und Nieren überprüft. Die Ausrüstung wird danach teilweise auch noch im Übungsdienst getragen.
  6. Test-Tag im Ausbildungszentrum für Sicherheit
  7. Sitzung der Projektgruppe, Auswertung aller Bewertungsbögen, Auswahl der favorisierten Brandschutzausrüstung und des Helms, Finanzielles
  8. Bericht der Projektevaluation und Antrag an den Gemeinderat

Dieser Aritkel beinhaltet Werbung wegen Markenerkennung. Die komplette Ausrüstung wurde durch unsere Feuerwehr finanziert.

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3 Comments on “Neue Brandschutzausrüstung für die Feuerwehrfrau”

  1. Super Bericht mit der Ernsthaftigkeit, welche dem Thema gerecht wird und der dabei nicht auf die gewohnten und geliebten verzichtet. Merci viu Mau!

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